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Ausbildung und Jobcenter 2026: Bürgergeld, KDU und BAB

Jobcenter-Schild an einem Gebäude: Anlaufstelle für Auszubildende mit Fragen zu Grundsicherung und KDU
Foto: Unsplash
entfällt
Grundsicherung mit Ausbildungsbeginn, §7 Abs. 5 SGB II (Ausbildungsausschluss)
KDU §27
Miete und Heizung übernimmt das Jobcenter, wenn die Vergütung nicht reicht
bis 649 €
BAB pro Monat von der Agentur für Arbeit, plus Zuschläge für Unterkunft und Fahrtkosten
§24: ja
Ukrainer mit §24 AufenthG können BAB beantragen, Anspruch bleibt bei Wechsel zu §16a
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit dem Start einer Berufsausbildung entfällt die reguläre Grundsicherung (früher Bürgergeld) nach §7 Abs. 5 SGB II. Das ist kein Fehler, sondern gesetzlich so geregelt.
  • Das Jobcenter kann nach §27 Abs. 3 SGB II die Kosten der Unterkunft (Miete und Heizung) übernehmen, wenn die Ausbildungsvergütung dafür nicht reicht. Du musst selbst hingehen und den Antrag stellen.
  • Die Agentur für Arbeit zahlt BAB: bis zu 649 Euro im Monat plus mögliche Zuschläge. Das ist ein anderes Fördersystem als das Jobcenter, eine andere Behörde, anderes Geld.
  • Ukrainer mit §24 AufenthG können BAB beantragen. Ein Wechsel zu §16a ist während der Ausbildung nicht zwingend notwendig.

Warum die Grundsicherung bei Ausbildungsbeginn wegfällt

§7 Abs. 5 SGB II ist eindeutig: Wer eine Berufsausbildung macht, ist von den regulären Grundsicherungsleistungen ausgeschlossen. Das nennt sich Ausbildungsausschluss. Seit Juli 2026 heißt das frühere Bürgergeld offiziell Grundsicherung, gemeint ist dasselbe System.

Die Logik dahinter ist einfach: Du bekommst eine Ausbildungsvergütung, also Geld vom Betrieb. Zusätzlich gibt es ein eigenes Fördersystem über die Agentur für Arbeit. Das Jobcenter tritt damit offiziell in den Hintergrund. Das ist kein Fehler, sondern so vorgesehen.

Die Höhe der Ausbildungsvergütung hängt 2026 stark vom Beruf und Ausbildungsjahr ab, grob zwischen 650 und 1.100 Euro im Monat, manchmal auch mehr. Im Handel oder in der Gastronomie ist sie in der Regel niedriger als in der Industrie oder im IT-Bereich. Die genauen Zahlen findest du beim Arbeitgeber oder im Tarifvertrag deiner Branche.

KDU: Wann das Jobcenter die Wohnung zahlt

§27 SGB II regelt eine eigene Unterstützungsmöglichkeit speziell für Auszubildende. Das ersetzt zwar nicht das volle Grundsicherung, aber es gibt etwas Konkretes: Nach §27 Abs. 3 SGB II kann das Jobcenter die KDU (Kosten der Unterkunft), also Miete und Heizung, übernehmen, wenn die Ausbildungsvergütung die Wohnkosten nicht abdeckt.

Wie viel das Jobcenter zahlt, richtet sich nach den lokalen Angemessenheitsgrenzen, die jedes Jobcenter selbst festlegt. Frag direkt bei deinem nach.

Ausnahmen gibt es ebenfalls: Wenn du Kinder hast oder andere besondere Lebensumstände vorliegen, ändert sich die Situation. In diesem Fall lohnt es sich, gezielt nach §7 Abs. 6 SGB II zu fragen.

Wichtig: Das Jobcenter kommt nicht von sich aus auf dich zu Du musst selbst hingehen, §27 SGB II nennen und einen Antrag stellen. Nicht einfach fragen, was dir so zusteht, das führt meist zu nichts. Sag klar, was du willst: „Ich möchte einen Antrag auf Übernahme der Kosten der Unterkunft nach §27 SGB II stellen."

Drei typische Situationen

Erste Situation: Ausbildungsvergütung 700 Euro, Miete 600 Euro. Wenn der Gesamtbedarf nach SGB II das Einkommen übersteigt, kannst du KDU nach §27 SGB II beantragen. Die Chancen stehen realistisch gut.

Zweite Situation: Ausbildung mit unterhaltsberechtigten Kindern. Das ist ein Sonderfall: Hier kann eine Ausnahme vom Ausbildungsausschluss greifen. Die genauen Voraussetzungen klärst du am besten direkt mit dem Jobcenter, sie hängen von der individuellen Situation ab.

Dritte Situation: Ausbildungsvergütung 900 Euro, allein lebend, keine Kinder. KDU wird in diesem Fall wahrscheinlich nicht gewährt, weil das Einkommen als ausreichend gilt. Trotzdem lohnt sich eine Nachfrage, denn jeder Fall ist anders.

Wie es bei mir war

Aus eigener Erfahrung Vor der Ausbildung habe ich Grundsicherung für mich und meine Kinder bekommen. Als ich den Ausbildungsvertrag unterschrieben hatte, hat das Jobcenter alles neu berechnet: Die Ausbildungsvergütung reichte nicht für die Wohnung, also haben sie die Differenz über die KDU übernommen. Bei mir lief es so: Die Miete ging direkt an den Vermieter auf sein Konto, das Jobcenter gab etwa 500 Euro, und ich habe 200 Euro aus eigener Tasche dazugezahlt.

Dann hieß es, ich solle BAB beantragen. Sobald das BAB kam, wurde der Zuschuss vom Jobcenter wieder gekürzt. Später wurde meine Ausbildungsvergütung erhöht, ich konnte die Wohnung selbst zahlen und bekam trotzdem noch BAB, bis ich so viel verdiente, dass ich mich und meine Kinder komplett selbst versorgen kann.

Ein wichtiger Punkt: Wie genau gezahlt wird, hängt vom Sachbearbeiter im Jobcenter ab. Bei mir ging das Geld direkt an den Vermieter, weil die Miete von Anfang an auf seine Karte lief. In anderen Fällen überweist das Jobcenter das Geld auf deine Karte, und du zahlst Wohnung, Strom und den Rest selbst. Es gibt kein einheitliches Schema, frag nach deiner konkreten Situation.

BAB: Geld von der Agentur für Arbeit

Während das Jobcenter wenig leisten kann, bietet die Agentur für Arbeit ein eigenes Instrument. Die Berufsausbildungsbeihilfe, kurz BAB, ist finanzielle Unterstützung speziell für Auszubildende. Andere Behörde, andere Grundlage, anderes Geld.

BAB bekommt, wer während der Ausbildung nicht bei den Eltern wohnt (oder wessen Eltern im Ausland leben) und wessen Familieneinkommen niedrig genug ist. Die Beträge liegen bei bis zu 649 Euro im Monat, zuzüglich möglicher Zuschläge für Unterkunft und Fahrtkosten. Aktuelle Zahlen findest du auf bundesagentur.de, sie werden regelmäßig angepasst.

Ukrainer mit §24 AufenthG können BAB beantragen. Wenn du später zu §16a AufenthG (Aufenthaltstitel speziell für die Ausbildung) wechselst, bleibt dieser Anspruch erhalten. Alle Details zu Höhe, Abzügen und dem Antrag findest du im Detailguide Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) 2026.

§24 oder §16a: Muss man den Status wechseln?

Aktuell ist ein Wechsel nicht zwingend notwendig. Die meisten Ukrainer absolvieren die gesamte Ausbildung mit §24 AufenthG. Das Hauptargument für einen Wechsel zu §16a: ein direkterer Weg zu §18a nach dem Abschluss, also zu einem Aufenthaltstitel als qualifizierte Fachkraft mit Berufsausbildung.

Was in deiner konkreten Situation sinnvoller ist, besprich am besten mit der Ausländerbehörde oder einem Migrationsberater. Einen ausführlichen Vergleich beider Wege findest du im Guide Ausbildung für Ausländer 2026.

Vier Schritte beim Ausbildungsstart

Das System bietet von sich aus nichts an. Wer nachfragt und hartnäckig bleibt, bekommt in der Regel auch etwas. Hier sind die vier Schritte, die du jetzt angehen solltest.

  1. Jobcenter informieren. Melde dem Jobcenter den Beginn der Ausbildung, am besten vor dem Start oder spätestens im ersten Monat. Wer das versäumt, riskiert, bereits ausgezahlte Leistungen zurückzahlen zu müssen.
  2. KDU nach §27 SGB II beantragen. Sag klar, was du willst: „Ich möchte einen Antrag auf Übernahme der Kosten der Unterkunft nach §27 SGB II stellen." Nicht einfach fragen, was dir so zusteht, das führt meist zu nichts.
  3. BAB bei der Agentur für Arbeit beantragen. Andere Behörde, anderes Formular, anderes Geld. Den Antrag stellst du online auf arbeitsagentur.de unter „Meine eServices".
  4. Alles aufbewahren. Den Ausbildungsvertrag, die Gehaltsabrechnungen, die gesamte Korrespondenz mit den Behörden. Das erleichtert spätere Nachweise erheblich.

FAQ

Warum fällt die Grundsicherung bei einer Ausbildung weg?

§7 Abs. 5 SGB II schließt Personen in einer Berufsausbildung von den regulären Grundsicherungsleistungen aus. Das nennt sich Ausbildungsausschluss. Die Logik: Du erhältst eine Ausbildungsvergütung vom Betrieb und es gibt ein eigenes Fördersystem über die Agentur für Arbeit. Das Jobcenter tritt damit in den Hintergrund.

Kann ich trotz Ausbildung Unterstützung vom Jobcenter bekommen?

Ja. Nach §27 Abs. 3 SGB II kann das Jobcenter die Kosten der Unterkunft (KDU), also Miete und Heizung, übernehmen, wenn die Ausbildungsvergütung die Wohnkosten nicht abdeckt. Das Jobcenter kommt nicht von sich aus auf dich zu, du musst selbst hingehen und §27 SGB II konkret nennen.

Wer hat Anspruch auf BAB?

BAB bekommt, wer während der Ausbildung nicht bei den Eltern wohnt (oder wessen Eltern im Ausland leben) und wessen Familieneinkommen niedrig genug ist. Die Beträge liegen bei bis zu 649 Euro im Monat, zuzüglich möglicher Zuschläge für Unterkunft und Fahrtkosten. Aktuelle Zahlen auf bundesagentur.de.

Können Ukrainer mit §24 AufenthG BAB beantragen?

Ja. Ukrainer mit §24 AufenthG (vorübergehender Schutz) können BAB beantragen. Wenn du später zu §16a AufenthG wechselst, bleibt dieser Anspruch erhalten.

Muss ich von §24 zu §16a wechseln, wenn ich eine Ausbildung mache?

Nein, ein Wechsel ist nicht zwingend notwendig. Die meisten Ukrainer absolvieren die gesamte Ausbildung mit §24 AufenthG. Das Hauptargument für §16a: ein direkterer Weg zu §18a nach dem Abschluss. Was in der eigenen Situation sinnvoller ist, besprich mit der Ausländerbehörde oder einem Migrationsberater.

Was muss ich als Erstes tun, wenn ich eine Ausbildung anfange?

Melde dem Jobcenter den Ausbildungsbeginn, am besten vor dem Start oder spätestens im ersten Monat. Frag dann konkret nach §27 SGB II und KDU. Stelle parallel bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf BAB. Heb alle Unterlagen auf.

Quellen

Zuletzt geprüft: 13.07.2026. Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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