Teilzeit-Ausbildung 2026: Format, Geld und Arbeitgeber überzeugen

- Wer ein Kind unter 18 betreut, kann nach § 7a BBiG beim Arbeitgeber eine Teilzeit-Ausbildung beantragen. Derselbe Ausbildungsplan, dieselben Prüfungen, dieselbe Qualifikation wie bei Vollzeit.
- Mindestens 50 % der regulären Stunden sind vorgeschrieben. Die meisten Mütter wählen 60 bis 70 %. Die Ausbildung verlängert sich höchstens auf das Eineinhalbfache, bei drei Jahren also auf 4,5 Jahre.
- Die Vergütung darf höchstens im Verhältnis der Arbeitszeit gekürzt werden: die Mindestvergütung liegt bei Ausbildungsbeginn 2026 im 1. Ausbildungsjahr bei 724 Euro (Vollzeit) und bei 506,80 Euro bei 70 % Auslastung. Das Kindergeld bleibt davon unberührt.
- Der Arbeitgeber muss nicht automatisch zustimmen. Ein konkreter Vorschlag so früh wie möglich, am besten vor der Vertragsunterzeichnung, erhöht die Chancen erheblich.
Wer eine Teilzeit-Ausbildung beantragen kann
Die Teilzeit-Ausbildung ist in § 7a BBiG geregelt. Wer ein Kind unter 18 Jahren hat, kann den Arbeitgeber bitten, die Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Derselbe Ausbildungsplan, dieselben Prüfungen, dieselbe Qualifikation. Die Ausbildung dauert einfach länger, und die Vergütung fällt entsprechend geringer aus.
Die gesetzliche Grundlage gilt auch bei Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen. Ein offizieller Nachweis ist bei der Anfrage nicht zwingend erforderlich, aber die Geburtsurkunde des Kindes solltest du griffbereit haben.
Ukrainerinnen mit §24 (vorübergehender Schutz) können das ebenfalls nutzen. Ein Aufenthaltstitel nach diesem Status steht der Ausbildung, auch in Teilzeit, nicht im Weg. Mehr dazu, wie der Weg in die Ausbildung insgesamt aussieht, liest du im Hauptguide Ausbildung für Ausländer 2026.
Wie das Modell funktioniert
Die Mindestarbeitszeit beträgt 50 % der regulären Stundenanzahl. Die Ausbildungsdauer verdoppelt sich dabei aber nicht: Sie verlängert sich höchstens auf das Eineinhalbfache, bei drei Jahren also auf höchstens 4,5 Jahre (§7a Abs. 2 BBiG). Wie lang eine dreijährige Ausbildung bei verschiedenen Auslastungen dauert:
| Auslastung | Ungefähre Dauer (dreijährige Ausbildung) |
|---|---|
| 75 % | rund 4 Jahre |
| 60 % | höchstens 4,5 Jahre (genaue Dauer mit IHK/HWK abgestimmt) |
| 50 % | höchstens 4,5 Jahre, auf Wunsch bis zur nächsten Prüfung (§7a BBiG) |
Die meisten Mütter entscheiden sich für 60 bis 70 %. So bleibt Zeit für die Kinder, und die Ausbildung zieht sich nicht ewig hin.
Die Tage in der Berufsschule bleiben gleich: dieselben Tage wie für die gesamte Klasse. Reduziert werden die Stunden im Betrieb.
Geld: Was tatsächlich bleibt
Die Ausbildungsvergütung darf gekürzt werden, aber höchstens im gleichen Verhältnis wie die Arbeitszeit (§17 Abs. 5 BBiG). Die Mindestvergütung nach BBiG bei Ausbildungsbeginn 2026:
| Auslastung | Mindestvergütung im 1. Ausbildungsjahr 2026 |
|---|---|
| Vollzeit (100 %) | 724 Euro im Monat |
| 70 % | 506,80 Euro im Monat |
Das ist der gesetzliche Mindestbetrag. Viele Tarifverträge zahlen mehr. In der Pflege, im Sozialbereich und im Handwerk gelten andere Sätze. Das solltest du für deinen Beruf konkret nachsehen.
Das Kindergeld wird durch die Teilzeit nicht berührt. Wer die Kinder allein erzieht, sollte zusätzlich prüfen, ob ein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss besteht. Ob du zusätzlich Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen kannst, liest du im Artikel BAB 2026.
So überzeugst du den Arbeitgeber
Der Arbeitgeber muss nicht automatisch zustimmen. Was in der Praxis hilft:
- Komm mit einem konkreten Vorschlag. "Ich schlage 65 % vor, und so plane ich, meine Aufgaben zu erledigen" wirkt deutlich überzeugender als ein vages "Könnte ich weniger arbeiten?". Der Arbeitgeber sieht, dass du dir ernsthaft Gedanken gemacht hast.
- Sprich so früh wie möglich darüber. Am besten schon im Bewerbungsgespräch oder beim Vertragsabschluss. Mitten in der Ausbildung das Modell zu wechseln ist technisch möglich, bedeutet aber Papierkram über IHK oder HWK, und viele Arbeitgeber scheuen diesen Aufwand.
- Suche dir Unterstützung. Gibt es im Betrieb einen Betriebsrat, ist dieser verpflichtet, deinen Antrag zu unterstützen. Gibt es keinen, sprich direkt mit dem Ausbilder oder der Personalabteilung.
- Bei Ablehnung ohne Begründung: wende dich an IHK/HWK oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Erstberatungen über Gewerkschaften wie ver.di oder DGB sind häufig kostenlos.
Was das für den Aufenthaltstitel bedeutet
Mit §24 ist die Ausbildung, auch in Teilzeit, vollständig erlaubt. Ein Wechsel auf §16a ist nicht notwendig, auch wenn ihn manche für mehr Rechtssicherheit wählen. Frag am besten bei deiner Ausländerbehörde nach, was in deiner konkreten Situation sinnvoll ist.
Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung öffnet sich der Weg zu §18a (Fachkraft mit Berufsausbildung). Das ist ein Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit, und er gilt auch bei Teilzeit-Ausbildung: Entscheidend ist, dass du alle Prüfungen bestehst und den Abschluss erhältst.
Berichtsheft und Prüfungen
Das Berichtsheft entfällt bei Teilzeit nicht. Derselbe Umfang, dieselben Anforderungen. In der Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement ist das zum Beispiel eine wöchentliche Dokumentation über die gesamte Ausbildungszeit. Bei einer längeren Ausbildung gibt es einfach mehr Wochen.
Zwischenprüfung und Abschlussprüfung finden zu den Terminen statt, die die Ausbildungsordnung für deinen Beruf vorsieht, angepasst an die vereinbarte Laufzeit. Die genauen Termine teilt IHK oder HWK mit.
Wenn die Alternative wäre, die Ausbildung gar nicht zu beginnen, weil Vollzeit nicht möglich ist: Teilzeit ist es wert. Die Ausbildung dauert länger, das monatliche Gehalt ist geringer. Aber der Abschluss ist derselbe, und es ist realistisch, Beruf und Kinder zu vereinbaren.
FAQ
Wer kann eine Teilzeit-Ausbildung beantragen?
Wer ein Kind unter 18 Jahren betreut oder einen pflegebedürftigen Angehörigen hat, kann nach § 7a BBiG beim Arbeitgeber eine Teilzeit-Ausbildung beantragen. Ukrainerinnen mit §24 (vorübergehender Schutz) können das ebenfalls nutzen. Ein offizieller Nachweis ist bei der Anfrage nicht zwingend nötig, die Geburtsurkunde sollte aber griffbereit sein.
Wie viel Prozent Arbeitszeit ist mindestens möglich?
Die Mindestarbeitszeit beträgt 50 % der regulären Stundenanzahl. Die Ausbildungsdauer verdoppelt sich dabei aber nicht: Sie verlängert sich höchstens auf das Eineinhalbfache, bei drei Jahren also auf höchstens 4,5 Jahre (§7a Abs. 2 BBiG). Die meisten Mütter entscheiden sich für 60 bis 70 %.
Wie lange dauert eine Teilzeit-Ausbildung?
Bei einer dreijährigen Ausbildung und 75 % Auslastung dauert es rund 4 Jahre. Bei 60 % und bei 50 % höchstens 4,5 Jahre, weil sich die Dauer maximal auf das Eineinhalbfache verlängert (§7a Abs. 2 BBiG). Auf deinen Wunsch geht es bis zur nächsten Abschlussprüfung.
Wie viel Vergütung bekomme ich bei Teilzeit-Ausbildung?
Die Vergütung darf gekürzt werden, aber höchstens im gleichen Verhältnis wie die Arbeitszeit (§17 Abs. 5 BBiG). Die Mindestvergütung im 1. Ausbildungsjahr liegt bei Ausbildungsbeginn 2026 bei 724 Euro im Monat bei Vollzeit. Bei 70 % Auslastung sind das 506,80 Euro. Viele Tarifverträge zahlen mehr. Das Kindergeld bleibt davon unberührt.
Muss der Arbeitgeber zustimmen?
Der Arbeitgeber muss nicht automatisch zustimmen. Ein konkreter Vorschlag mit einem klaren Plan und ein frühes Gespräch, am besten schon im Bewerbungsgespräch oder beim Vertragsabschluss, erhöhen die Chancen. Lehnt der Arbeitgeber ohne Begründung ab, hilft eine Beratung bei IHK, HWK oder einer Gewerkschaft wie ver.di oder DGB. Erstberatungen sind häufig kostenlos.
Ist der Abschluss bei Teilzeit-Ausbildung derselbe wie bei Vollzeit?
Ja. Derselbe Ausbildungsplan, dieselben Prüfungen, dieselbe Qualifikation. Nach erfolgreichem Abschluss öffnet sich der Weg zu §18a (Fachkraft mit Berufsausbildung), und das gilt auch bei Teilzeit-Ausbildung. Entscheidend ist, dass du alle Prüfungen bestehst und den Abschluss erhältst.
Quellen
- § 7a BBiG: Berufsausbildung in Teilzeit (gesetze-im-internet.de)
- § 17 BBiG: Vergütungsanspruch und Mindestvergütung (gesetze-im-internet.de)
- Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsvergütung und Mindestvergütung
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Daten und Berichte zur Berufsausbildung
- Bekanntmachung der Mindestvergütung für Berufsausbildungen 2026 (BBiMindVergFBek 2026)
Zuletzt geprüft: 25.07.2026. Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall.