Deutschland gecheckt

Wohngeld für Azubis: Wie viel gibt es und wie stellt man den Antrag 2026?

Azubi berechnet Mietkosten am Schreibtisch mit Taschenrechner und Mietvertrag
Foto: Unsplash
100-370 €
Wohngeld pro Monat für alleinlebende Azubis, je nach Region (2026)
0 €
Rückzahlung: Wohngeld ist ein Zuschuss, kein Darlehen
I bis VII
Mietstufen bestimmen die Höhe: München zahlt mehr als Kleinstädte in Ostdeutschland
sofort
Antrag stellen: Wohngeld gibt es nicht rückwirkend
Das Wichtigste in Kürze
  • Azubis können Wohngeld bekommen, aber nur ohne BAB-Anspruch. Steht dir BAB dem Grunde nach zu, gibt es kein Wohngeld, auch ohne BAB-Antrag oder wenn die BAB wegen deines Einkommens 0 Euro ergibt (§20 Abs. 2 WoGG).
  • Die Höhe hängt von Haushaltsgröße, Miete und Einkommen ab. Alleinlebende Azubis ohne BAB-Anspruch bekommen ungefähr 100 bis 370 Euro im Monat, je nach Region und Mietstufe.
  • Ukrainerinnen und Ukrainer mit §24 AufenthG oder §16a AufenthG haben offiziell Anspruch auf Wohngeld. Eine Ablehnung wegen Nationalität oder Aufenthaltsstatus ist rechtswidrig.
  • Den Antrag sofort stellen: Wohngeld wird nicht rückwirkend gezahlt, sondern erst ab dem Monat der Antragstellung.

Was ist Wohngeld?

Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zur Miete. Er richtet sich an Menschen, deren Einkommen für die Wohnung nicht ausreicht. Azubis mit geringer Ausbildungsvergütung fallen automatisch in diese Kategorie, vor allem im ersten Ausbildungsjahr.

Die Höhe hängt von drei Faktoren ab: der Anzahl der Personen im Haushalt, der Miete und dem Gesamteinkommen. Mit der Wohngeld-Plus-Reform 2023 wurden die Beträge deutlich angehoben, und 2026 bleiben sie auf diesem höheren Niveau. Wer allein lebt und eine Ausbildung macht, kann ungefähr 100 bis 370 Euro im Monat bekommen, je nach Region.

BAB und Wohngeld: Warum beides nicht gleichzeitig geht

Hier gibt es die meiste Verwirrung.

BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) ist eine Unterstützungsleistung der Bundesagentur für Arbeit für Azubis, die nicht bei ihren Eltern wohnen. Im BAB ist bereits ein Anteil für die Wohnkosten enthalten. Genau deshalb schließt das Wohngeldgesetz (WoGG) BAB-Empfängerinnen und -Empfänger ausdrücklich vom Wohngeld aus.

Lebst du allein und steht dir BAB zu, gibt es kein Wohngeld. Ein Wahlrecht zwischen beiden gibt es nicht.

Das gilt schon, wenn dir BAB nur dem Grunde nach zusteht: auch wenn du nie einen Antrag gestellt hast oder die BAB wegen deines Einkommens 0 Euro ergibt (§20 Abs. 2 WoGG). Wohngeld ist möglich, wenn dir BAB schon dem Grunde nach nicht zusteht oder im Haushalt weitere Personen ohne BAB- oder BAföG-Anspruch leben, etwa deine Kinder. Was BAB bedeutet, wer Anspruch hat und wie der Antrag läuft, liest du im Artikel Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) 2026.

Welche Azubis können Wohngeld beantragen?

Es gibt drei typische Situationen.

BAB steht dir schon dem Grunde nach nicht zu. Zum Beispiel bei einer zweiten Ausbildung, die die Agentur nicht fördert, oder wenn du unter 18 bist und den Betrieb von der Wohnung deiner Eltern aus erreichen kannst (§57 und §60 SGB III). Dann kannst du Wohngeld beantragen.

Du lebst mit deiner Familie zusammen, die bereits Wohngeld erhält. Dein Einkommen wird dann bei der Neuberechnung des Wohngeldes für den gesamten Haushalt berücksichtigt. Kein eigener Antrag nötig: Die Familie meldet der Wohngeldstelle die Änderung im Haushalt.

Du bist Ukrainerin oder Ukrainer mit vorübergehendem Schutz (§24 AufenthG) oder einer Aufenthaltserlaubnis für die Ausbildung (§16a AufenthG). Der Anspruch auf Wohngeld ist für diese Gruppe offiziell bestätigt. Eine Ablehnung aufgrund der Nationalität oder des Aufenthaltsstatus ist rechtswidrig.

Grundvoraussetzung für alle: ein gemeldeter Wohnsitz in Deutschland und ein gültiges Aufenthaltsdokument.

Wie viel Wohngeld gibt es 2026?

Den genauen Betrag berechnet die Wohngeldstelle nach einer festgelegten Formel. Zur Orientierung einige Beispiele:

  • Alleinlebende Person in Ausbildung, Miete 600 Euro, Nettoeinkommen 800 Euro: ungefähr 150 bis 250 Euro im Monat.
  • Zwei Personen im Haushalt, Miete 900 Euro, Gesamteinkommen netto 1.400 Euro: ungefähr 200 bis 320 Euro.

Entscheidend ist außerdem die Mietstufe, also die Einordnung der Region nach dem örtlichen Mietpreisniveau von I bis VII. München und Hamburg liegen bei Mietstufe VI bis VII, dort fällt das Wohngeld höher aus. Kleinere Städte in Ostdeutschland haben oft Mietstufe I bis II, die Beträge sind entsprechend geringer.

Tipp: Vorher ausrechnen Vor dem Zusammenstellen der Unterlagen empfiehlt sich eine Vorausberechnung mit dem offiziellen Wohngeld-Rechner auf bmwsb.bund.de. Das dauert fünf Minuten und zeigt schnell, ob sich der Antrag lohnt.

Wohngeld beantragen in 4 Schritten

Der wichtigste Satz zuerst: Wohngeld wird nicht rückwirkend gezahlt, sondern erst ab dem Monat, in dem der Antrag eingeht. Wer zu spät dran ist, verschenkt Geld.

  1. Zuständige Wohngeldstelle finden. In der Regel ist sie Teil des Rathauses oder Sozialamtes am Ort der Meldeanschrift. Die Adresse findet man auf der städtischen Website oder über die Suche nach "Wohngeld [Stadtname]".
  2. Unterlagen zusammenstellen:
    • Reisepass und Aufenthaltserlaubnis (oder Bescheinigung nach §24)
    • Mietvertrag
    • Lohnabrechnungen der letzten 3 Monate
    • Ablehnungsbescheid der Bundesagentur für Arbeit für BAB, falls vorhanden
    • Bankverbindung für die Überweisung
  3. Wohngeld-Antrag ausfüllen. Das Formular gibt es auf der städtischen Website zum Download oder zur Online-Ausfüllung. Viele Wohngeldstellen bieten inzwischen eine digitale Einreichung an.
  4. Antrag einreichen. Persönlich, per Post oder online. Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel 4 bis 8 Wochen. Datum zählt: Wohngeld läuft ab dem Monat der Antragstellung.

Häufige Fehler

Den Antrag hinauszögern. Wer wartet und grübelt, bekommt in der Zwischenzeit kein Geld. Am besten gleich einreichen, auch wenn die Unterlagen noch nicht vollständig sind. Die Wohngeldstelle meldet sich, wenn etwas fehlt.

Davon ausgehen, BAB und Wohngeld gleichzeitig zu bekommen. Das funktioniert nicht. Wird BAB bewilligt, wird das Wohngeld automatisch eingestellt. Deshalb vorher ausrechnen, was sich mehr lohnt, und dann nur eine Leistung beantragen.

Einkommensänderungen nicht melden. Wer ins zweite Ausbildungsjahr wechselt und mehr verdient, muss das der Wohngeldstelle mitteilen. Sonst droht eine Rückforderung zu viel gezahlter Leistungen.

FAQ

Können Azubis BAB und Wohngeld gleichzeitig bekommen?

Nein, wenn du allein lebst. Das Wohngeldgesetz schließt Wohngeld aus, sobald dir BAB dem Grunde nach zusteht, auch ohne Antrag oder wenn die BAB wegen deines Einkommens 0 Euro ergibt (§20 Abs. 2 WoGG). Wohngeld ist nur möglich, wenn dir BAB schon dem Grunde nach nicht zusteht oder im Haushalt weitere Personen ohne diesen Anspruch leben, etwa deine Kinder.

Wer hat als Azubi Anspruch auf Wohngeld?

Azubis mit geringem Einkommen, denen BAB schon dem Grunde nach nicht zusteht, zum Beispiel bei einer zweiten Ausbildung, die die Agentur nicht fördert. Auch Azubis, die im Haushalt der Familie leben, die bereits Wohngeld erhält: Das Einkommen des Azubis wird dann bei der Neuberechnung berücksichtigt. Grundvoraussetzung ist ein gemeldeter Wohnsitz in Deutschland und ein gültiges Aufenthaltsdokument.

Wie viel Wohngeld bekomme ich 2026 als alleinlebender Azubi?

Ungefähr 100 bis 370 Euro im Monat, je nach Region. Entscheidend sind Haushaltsgröße, Miete, Einkommen und die Mietstufe (I bis VII) des Wohnortes. Den genauen Betrag berechnet der offizielle Wohngeld-Rechner auf bmwsb.bund.de.

Wie stellt man den Wohngeld-Antrag als Azubi?

Zuständige Wohngeldstelle im Rathaus oder Sozialamt finden, Unterlagen zusammenstellen (Pass, Aufenthaltserlaubnis, Mietvertrag, Lohnabrechnungen der letzten 3 Monate, ggf. BAB-Ablehnungsbescheid), Antrag ausfüllen und einreichen. Wohngeld wird nicht rückwirkend gezahlt, daher den Antrag so früh wie möglich stellen.

Haben Ukrainerinnen und Ukrainer mit §24 oder §16a Anspruch auf Wohngeld?

Ja. Der Anspruch auf Wohngeld ist für Ukrainerinnen und Ukrainer mit vorübergehendem Schutz (§24 AufenthG) oder Aufenthaltserlaubnis für die Ausbildung (§16a AufenthG) offiziell bestätigt. Eine Ablehnung aufgrund der Nationalität oder des Aufenthaltsstatus ist rechtswidrig.

Was passiert, wenn ich Einkommensänderungen nicht melde?

Es droht eine Rückforderung zu viel gezahlter Leistungen. Wer ins zweite Ausbildungsjahr wechselt und mehr verdient, muss das der Wohngeldstelle mitteilen. Alle Änderungen müssen zeitnah gemeldet werden.

Quellen

Zuletzt geprüft: 04.09.2026. Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Weiterlesen